JAWA 750 Kaiser & Kronberger

Motor Revue Nr.14 18.11.1934 S429

Die Firma Kaiser und Kronberger war der bekannteste Jawa Vertreter in der Tschechoslowakei der dreißiger Jahre. Die Firma hat von Anfang an Motorräder und ab 1934 natürlich auch Autos verkauft. Die Inhaber haben auch bei verschiedenen Rennen oder anderen Wettbewerben mit Jawa Fahrzeugen teilgenommen. Verschiedene Ideen sind auch als Innovationen in die Entwicklung der Jawa Fahrzeuge eingeflossen. Als 1934 das erste Auto, der Jawa 700 vorgestellt wurde, hat die Firma Kaiser & Kronberger einen wunderschönen Roadster bauen lassen. Entworfen wurde die Karosserie von Ing. Zdeněk Klika; wo das Auto gebaut wurde, kann man nur annehmen. Anhand einiger Merkmale gehen wir davon aus, dass die Karosserie bei der Firma Holík in Prag entstanden ist. Das Auto ist nur einmal gebaut worden und leider nicht erhalten geblieben. Hier einige Bilder aus der Presse von 1934 / 1935.

Motor Revue Nr.20 15.02.1935 S634

Das Bild des Fahrzeugs von Maestro Zapadlík war seit den 1970-ziger Jahren allgemein bekannt und jeder Jawa Fan hat es schon mal gesehen. Dass es sich um ein besonderes Unikat handelt, habe ich erst Anfang der 1990-ziger Jahre nach einem Treffen mit unserem Freund Ota Nýč begriffen. Ota war ein begnadeter Restaurator und wir kannten uns noch aus jüngeren Jahren. Ota hat mir die Zeitschriften aus 1934 / 1935 geschenkt und gemeint, das wäre doch die Aufgabe für mich, als alten Jawa Kenner, dieses Auto zu restaurieren. Die Zeit war noch nicht reif, aber der Floh blieb im Kopf.
In 2008 haben wir beschlossen das Projekt anzugehen und haben als ersten Schritt zwei Jawa 700 Limousinen als Grundlage gekauft. Mit Janko hatten wir ausgemacht, dass er die gesammte Mechanik restaurieren wird, aber für die Karosserie samt Holzgestell sollten wir andere Handwerker suchen. Die Suche des Karosseriebauers gestaltete sich viel schwieriger als gedacht. Mehrere angesprochene Karosseriebauer haben mangels Zeit, Lust und wegen der Komplexität der Aufgabe abgelehnt.  Zwischenzeitlich haben wir 2014 die Kurbelwelle komplett überholen lassen, da gab es Fachleute aus der DKW-Szene.
Das Karosseriethema war immer noch nicht gelöst, als wir in 2018 jemanden kennengelernt haben, der gemeint hat, dass der Weg ein digitaler sein muss, weil man aus den vorhandenen Fotos die Karosserie digital per Software berechnen lassen kann. Der Gedanke war fortschrittlich, aber seine Software hat kein Ergebnis gebracht, weil die Bilder zu wenige und ohne ausreichende Auflösung waren. Zwei weitere digitale Versuche hatten auch noch kein Ergebnis gebracht, bis wir Ondrej kennengelernt haben. Ondrej hat gerade an seiner Doktorarbeit mit dem Thema „Moderne Methoden im Automobildesign“ gearbeitet. Von unserem Projekt hat er sich sehr schnell begeistern lassen und innerhalb weniger Wochen hat er uns ein digitales 3D-Modell erstellt. Noch ein paar Besprechungen wegen einiger Details und  der Formkorrektur… – und die Grundlage für  weitere Schritte war fertig! (Zwischenzeitlich hat Ondrej seinen Doktortitel erlangt – wir gratulieren herzlichst!)
Janko hat an der Restaurierung der kompletten Mechanik gearbeitet, einige Zwischenstufen sind hier abgebildet.

Das digitale 3D Model war fertig. Die nächsten Schritte: Digitale Quer- und Längsschnitte der Karosserie und der Kotflügel, aus diesen Zeichnungen Sperrholzplatten ausschneiden und aus diesen dann ein 1:1 Model des Fahrzeugs erstellen. Die nächsten Bilder dokumentieren diese Schritte.

2022-01-20 3D Modell Front
2022-01-20 3D Modell Rück
2022-05-24 Platten Sperrholz

Als wir die Holzteile der Stellmacherfirma gebracht haben und das Modell aufgebaut wurde, haben wir deren Begeisterung hervorgerufen. Obwohl die Leute über 30 Jahre Holzkarosserien und Gestelle bauen, war das für die ein Quantensprung in der Technik. Wir haben vereinbart, dass die 4 Kotflügel komplett mit Hartholz aufgefüllt werden und somit direkt Klopfformen für den Spengler entstehen werden. Die Karosserie selbst wurde mit Styropor aufgefüllt und feingeschliffen um die komplette Form des Körpers zu erstellen. Das war die Grundlage für die tragende Holzkonstruktion der Karosserie. Hier war die Erfahrung des Stellmachers sehr viel wert gewesen. Der ganze Prozess hat länger als geplant gedauert, mehr als gedacht gekostet – aber am Ende hatten wir eine fast perfekte Holzkonstruktion für die Karosserie.

Der nächste Schritt war die Beplankung des Gestelles und die Erstellung der Kotflügel anhand der Klopfformen. Hier war die Wahl des Handwerkers leider nicht erfolgreich; nach mehreren Monaten mit hohen Kosten und wenig Ergebnis haben wir die Arbeiten in Juni 2023 dort gestoppt und für viel Geld einen unfertigen Holz- und Blechhaufen heimgebracht. FRUST, FRUST und FRUST! Aufgeben? Nein, nicht doch! Zwei angefragte Profiklempner wollten die, von den Anderen vermurkste Arbeit, nicht korrigieren, also blieb uns nichts anderes, als in Eigenregie = Janko machen zu lassen. Das war die richtige Entscheidung. Es hat sich im Ablauf der Arbeiten auch gezeigt, dass der Weg vom digitalen Model und dem Holzmodel zur richtigen Karosserie nicht ganz geradlinig war. Hauptsächlich die Übergänge  der Karosserie zum Vorderbau und zu den Kotflügeln haben Korrekturen in mehreren Schritten benötigt. Janko – als Perfektionist – hat Änderungen an manchen Radien und Formen der Holzkonstruktion machen müssen und damit folglich auch die Formen der einzelnen Blechteile mehrfach modifiziert. Insbesondere die vorderen Kotflügel hatten einiges an Aufschneiden und neu Verschweißen erlebt. Da bewundern wir sein Gefühl für die richtige Form und die zeitgemäße Technik, die er eingesetzt hat. Letztendlich entstand ein richtiges Kunstwerk. Der geschätzte Termin war längst durch und Janko hat immer noch herumgeklopft.  Im Mai 2024 waren wir soweit; der Wagen konnte zum Lackierer. Der ursprünglich vereinbarte Lackierer bei uns in Landshut hatte durch unsere Verspätung andere Aufträge angenommen und hatte noch 3 Oldtimer komplett zu lackieren – halbes Jahr Wartezeit – das war uns einfach zu lang. Vor 4 Jahren hatten wir unseren Aero 20 auch in Landshut lackieren lassen und so haben wir dort als Alternative angefragt. Der Lackierer war frei, hatte Lust und nach Besichtigung der Karosserie meinte er: “ ja super, da freue ich mich drauf – dauert so 6-8 Wochen“. So hat er das Auto Mitte Mai 2024 angeliefert bekommen. Ich will den Ärger hier nicht beschreiben, 8 Monate später haben wir das Auto sehr weit von fertiglackiert am 19.01.2025 abgeholt. Die roten Teile waren lackiert (Felgen und Armaturenbrett). Hätte, hätte – Fahrradkette, hätten wir doch lieber 6 Monate beim ersten Lackierer gewartet! Jetzt mussten wir einen bereitwilligen Lackierer finden, der die angefangene Arbeit korrigiert und das Auto komplettlackiert. Den gab es mit Ďuri in der Slowakei.

Elena war, wie immer, für die Ästhetik zuständig. Aus der Originalbeschreibung war klar: Auto wird Graphitgrau, die Innenausstattung und Felgen werden rot. Der rote Farbton für die Felgen war relativ schnell definiert aber das rote Leder im gleichen Farbton war einfach nicht zu finden. Von allen uns bekannten Lederlieferanten haben wir rote Farbmuster bestellt – alles falsch! Zu hell, braunstich, zu dunkel, orangestich, schlechte Haptik, falsche Oberfläche…

Bei der 500 km slovenských 2023 haben wir aber ganz zufällig den Alex – einen Teilnehmer kennengelernt. Abends beim Bier haben wir über allesmögliche gesprochen, irgendwann kam unser „rotes Leder Problem“ auch ins Gespräch. Alex meinte lakonisch: „mache ich euch“. Da wir schon mehrere Biere intus hatten, nahmen wir das etwas locker. Am nächsten Tag wollte Alex gleich einen Termin in der Gerberei in Liptovský Mikuláš vereinbaren, um die Eigenschaften des Leders zu definieren. Erst jetzt hat er sich als der Direktor von SLOVTAN, einer bekannten Gerberei geoutet. Wir haben die Fabrik im Herbst 2023 besucht, eine technologische Führung bekommen und unsere Farbmuster hinterlassen. Anfang Februar war unser Leder verarbeitet, bereits rot durchgefärbt und Elena sollte die letzten Details bestimmen. Cheftechnologe Sandro hat uns 4 Farbmuster vorgestellt, welches es den sei? Elena meinte – keines, aber nah dran. Da haben Elena mit Sandro angefangen etwas schwarz, etwas blau, etwas weiß hineinzumischen, Sandro hat immer wieder neue Farbmuster bereitet, gespritzt, getrocknet, gebügelt und schutzlackiert, bis die richtige Farbe da war. Geschafft – Farbton definiert. Wir fragten, wann wir den wieder kommen sollten um das fertige Produkt abzuholen? Ja, das machen wir gleich fertig, war die Antwort und so haben wir gesehen, wie die Farbe gemischt wurde, in die Lackiervorrichtung eingefüllt wurde, wie die einzelnen Häute den halbautomatischen Prozess der Lackierung, Trocknung, Oberflächenbehandlung, des Bügelns durchlaufen. 2 Stunden später sind wir mit fertigem Leder abgezischt. Einfach eine einmalige Erfahrung, nochmals vielen Dank dafür.

Man glaubt nicht, wie viele kleine Details man beim Aufbau eines Oldtimers beachten muss, an die man im normalen Leben gar nicht denkt. Wir hatten die Bilder und die Ausgangsfahrzeuge, an den wir uns gestützt haben, aber auch die Autos hatten schon Ihre 85 Jahre auf dem Buckel und im Laufe der Zeit haben viele Leute viele Verbesserschlechterungen an den Fahreugen gemacht. Eine große Hilfe waren uns die Jawa Autos ausgestellt im Jawa-Museum in Křivoklát, da waren wir öfters um Details nachzumessen oder Details zu fotografieren. Auch auf diesem Wege unser Dank an den Museumsinhaber und Autojawa Klub Vorsitzenden, Herrn Ing. Jaroslav Antoni.
Vieles haben wir noch nicht erwähnt: Alle Chromteile und Leisten, die speziell von Janko geprägten Radkappen, die ganz andere Frontmaske, den neuen Kühler, die komplette Elektrik mit textilummantelten Kabeln, den Windschutzscheibenrahmen, das Verdeck-Gestell…..

Das Auto wollten wir bei den 1000 mil československých der Öffentlichkeit vorstellen. Der Termin Mitte Juni 2025 kam immer näher und es hat noch einiges am Zusammenbau und auch die komplette Polsterung gefehlt. Unser Haus und -Hofpolsterer Jirka in Tschechien hat den Wagen Anfang April 2025 in die Werkstatt genommen und – wie bislang immer – super Arbeit geliefert. Am 30. April haben wir das Auto, noch ohne Sitze, aber sonst komplett mit Verdeck abgeholt. So konnte Janko weitermachen, damit wir den Juni schaffen. 3 Wochen vor der Rallye haben wir die Sitze von Jirka abgeholt.

2025-05-15 Polsterung
2025-05-15 Danke Jirka
2025-05-15 Türtaschen

Letztendlich habe ich den Jawa bei den 1000 mil československých 2025 vor dem gesammelten Publikum im Saal des Autoklub Republiky České in Prag in einer kurzen Präsentation vorstellen können. Janko hat es geschafft, davor noch ca. 500 km zu fahren und einige Kinderkrankheiten zu heilen. Wir haben die 1000 mil československých 2025 komplett absolviert und den 4. Platz in der Kategorie bis 750 ccm belegt. Von dem Veranstalter haben wir auch einen Sonderpreis für die Restaurierung des Jawa 750 K&K verliehen bekommen. Das hat uns sehr geehrt.

Eine Woche später haben wir das Auto bei dem Markentreffen des Autojawa Klub in Bechyně in Südböhmen vorgestellt. Es war ein sehr nettes Treffen von 14 Autos der Marke Jawa in allen möglichen Farben und Ausführungen – so viele waren es zuvor noch nie.

2025-06-21 Jawa Autos vor dem Schloss in Bechyně
2025-06-21 Jawa Autos auf dem Stadtplatz in Bechyně
2025-06-21 Jawa Autos auf dem Golfplatz von Bechyně

Das Teilnahmeprogramm für die Saison 2025 hat noch das Treffen „Umenie a Elegancia“ unseres Heimatklubs Veteránklub Bratislava in Tomášov und die Teilnahme am klassischen Bergrennen Brno-Soběšice beinhaltet. Bis zur nächsten Saison können wir uns an dem Kunstwerk zu Hause erfreuen.

2025-09-07 Tomášov
2025-09-27 Elena in voller Fahrt bei Brno-Soběšice
2025-10-26 Die beiden Jawa Roadster können sich jetzt ihre Geschichten erzählen