Ein unerwarteter Fund in Beaulieu – wie ein Alvis unsere Sammlung bereicherte
Im September 1997 führte uns unsere Reise einmal mehr nach England – genauer gesagt zum legendären Autojumble in Beaulieu. Für Oldtimer-Liebhaber ist diese Veranstaltung ein absolutes Highlight. Doch wer einmal dort war, weiß: An nur einem Tag lässt sich dieses riesige Gelände kaum vollständig erkunden. Überall gibt es etwas zu entdecken – Teile, Fahrzeuge, Kuriositäten und Geschichten.
Mit einem klaren Ziel machten wir uns damals auf den Weg: Wir suchten ein attraktives Motorrad aus der Zeit vor 1914. Entsprechend fokussiert starteten wir früh am Morgen unseren Rundgang.
Doch wie so oft im Leben kommt alles anders als geplant.
Gleich zu Beginn fiel uns ein älterer Herr auf, der neben einem außergewöhnlichen Fahrzeug stand – einem Alvis Silver Crest. Auf einem Schild war zu lesen: „for reasonable offer“. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir über die Marke Alvis so gut wie nichts. Das Auto gefiel uns zwar auf Anhieb, doch eigentlich waren wir ja auf der Suche nach einem ganz anderen Fahrzeug.
Also gingen wir weiter, stöberten durch unzählige Stände und verbrachten den Tag zwischen seltenen Teilen und interessanten Gesprächen. Doch das passende Motorrad wollte sich einfach nicht finden lassen.
Am Abend, auf dem Weg zurück, kamen wir erneut an der gleichen Stelle vorbei. Und tatsächlich – der alte Herr war immer noch da, ebenso wie sein Alvis.
Spontan kamen wir ins Gespräch und stellten schließlich die entscheidende Frage nach dem Preis. Die Antwort überraschte uns: deutlich niedriger, als wir erwartet hatten.
Das gesuchte Motorrad hatten wir zwar nicht gefunden – dafür aber etwas ganz anderes.
Die Entscheidung fiel nicht schwer: Wir kauften den Alvis.
Zwei Wochen später machten wir uns erneut auf den Weg nach England – diesmal mit PKW und Anhänger. Der Alvis wurde abgeholt und trat seine Reise in sein neues Zuhause an.
Ein klassischer Fall von „eigentlich wollten wir etwas ganz anderes“ – und doch ein Fund, der sich als echter Glücksgriff erwiesen hat. Genau solche Momente sind es, die unsere Leidenschaft für historische Fahrzeuge immer wieder neu entfachen.
Der Alvis Silver Crest – fortschrittliche Technik in klassischer Form
Der Alvis Silver Crest war ein Serienfahrzeug der späten 1930er-Jahre und wurde ursprünglich als elegante Limousine angeboten. Er stellte eine Weiterentwicklung der erfolgreichen Sechszylinder-Modelle dar und verband klassische britische Linien mit moderner Technik.
Besonders bemerkenswert: Bereits 1937 verfügte der Silver Crest über ein vollsynchronisiertes Getriebe – zu dieser Zeit eine echte Innovation, die das Schalten deutlich komfortabler und sicherer machte. Angeboten wurde das Modell zudem mit zwei unterschiedlichen Motorvarianten, wodurch Kunden je nach Anspruch zwischen mehr Komfort oder sportlicherer Leistung wählen konnten.
Unser Fahrzeug erzählt jedoch seine ganz eigene Geschichte: Ursprünglich als Limousine gebaut, wurde es irgendwann – vermutlich in den 1970er-Jahren – zu einem offenen Tourer umgebaut. Solche Umbauten waren damals keine Seltenheit und geben dem Fahrzeug heute einen ganz besonderen Charakter.
So vereint unser Alvis nicht nur die Technik und Substanz eines hochwertigen Vorkriegsfahrzeugs, sondern auch eine zusätzliche, individuelle Entwicklungsgeschichte.
Ein Fund mit Geschichte
Rückblickend wussten wir damals noch gar nicht, welchen besonderen Wagen wir da entdeckt hatten. Erst mit der Zeit wurde uns klar, wie viel technische Raffinesse und historische Substanz in unserem Alvis steckt.
Heute ist er ein fester Bestandteil unserer Sammlung – und erinnert uns immer wieder daran, dass die besten Funde oft genau dann passieren, wenn man eigentlich nach etwas ganz anderem sucht.
Wir haben den Alvis auch reichlich an Veranstaltungen teilnehmen lassen:
Ecce Homo Bergrenne 2001, 2002; 2000 km durch Deutschland in 2002; Hopfentour Freising 2003; 500km Slovenských 2006 -Gewinner; Rallye Tatry 2024; Brno-Soběšice 2012 und 2014; Falkenhausen Rallye Landshut 2017, 1000 mil československých 2018 um nur die wichtigsten zu erwähnen.
